Replantationen

Als Replantation wird das Wiederanfügen eines Gewebes oder Extremitätenteils bezeichnet, dessen Durchblutung durch die komplette oder teilweise Abtrennung vollständig aufgehoben ist und das ohne Gefäßanastomose (natürliche oder operativ geschaffene Verbindung zweier Gefäße) nicht überleben würden. Durch mikrochirurgische Operationstechniken werden Nerven und Blutgefäße wieder verbunden. Gezielte Therapien helfen, die Funktionsfähigkeit wiederzugewinnen.

Dank der modernen Mikrochirurgie ist es heute möglich, die Funktion der betroffenen Gliedmaßen wiederherzustellen. Kaum ein anderes chirurgisches Fachgebiet hat in den vergangenen Jahrzehnten so große Fortschritte gemacht.

Die größten Aussichten auf eine erfolgreiche Replantation bieten glatte Amputationen (z. B. Abtrennung einzelner Finger oder der Hand durch eine Kreissäge), bei denen die Verletzungszone klein und der Haut-Weichteilmantel größtenteils erhalten ist. Wenn es zu Zerfetzungen und Knochensplitterungen gekommen ist, ist die Verletzungszone größer und die Replantation wird schwieriger. Sehr problematisch sind Zerreissungen oder Zerquetschungen, weil dabei der Stumpf schwer verletzt sein kann oder das Amputat sogar zerstört ist. Hier stoßen die Chirurgen auch heute noch an ihre Grenzen.

Die Zeit bis zur Replantation spielt eine wichtige Rolle…

Ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor ist die Zeit. Die Zeitspanne zwischen Amputation und der Möglichkeit zur Wiederherstellung der Durchblutung wird als Anoxämiezeit bezeichnet. Die Überlebensfähigkeit des Gewebes hängt stark von der Zeitspanne des Ausfalls der Blutversorgung, der richtigen Kühlung und von Art und Größe des Amputats ab; dadurch ergeben sich verschieden lange Anoxämiezeiten. Bei Amputaten ohne viel Muskulatur (z.B. ein Finger) ist bei guter Kühlung die Anoxämiezeit von bis zu 24 Stunden am größten; bei muskelreichen Amputaten beträgt sie hingegen trotz Kühlung nur maximal acht Stunden. Ungekühlt würde sich die Anoxämiezeit mehr als halbieren. Dabei ist zu beachten, dass die Operationszeit für die Replantation eines Fingers ca. 3 - 6 Stunden beträgt, der Aufwand für eine ganze Hand beläuft sich schon auf 10 – 12 Stunden Operationszeit.

Um die Erfolgsaussichten einer Replantation zu erhöhen, müssen sowohl Amputationsstumpf als auch das abgetrennte Körperteil schnellstmöglich und fehlerfrei versorgt und der Patient sowie das Amputat auf kürzestem Weg in eine dafür geeignete Klinik gebracht werden. Es dürfen keine Manipulationen an Stumpf und Amputat vorgenommen werden, wie z. B. Desinfektion, Säuberung oder das Setzen von Klemmen zur Blutstillung!

Mehr Informationen zur richtigen Versorgung von Amputaten.